Porträt

Der Manager im Auftrag des Herrn

Prälat Peter Klasvogt will die Arbeit, das Kapital und die Moral noch enger
zusammenbringen. „Die Unternehmen nehmen das auch bereitwillig auf“

von Angelika Wölk

Termine mit ihm sind äußerst schwer zu kriegen. Der Prälat ist ein viel gefragter und beschäftigter Mann – Vorträge, Seminare, Gespräche mit Unternehmens- und Finanzbossen. Peter Klasvogt, Direktor des Sozialinstituts Kommende in Dortmund und der Katholischen Akademie in Schwerte, ist vom Typ und seiner Arbeit her so etwas wie ein Manager im Dienste Gottes. Als solcher unterscheidet er sich in mindestens einem Punkt von einigen (nicht von allen) Managern im Dienste des Kapitals: Klasvogt will mehr Ethik in die Arbeitswelt bringen, die Chefs, die Gewerkschafter und Arbeitnehmer zum Nachdenken bewegen. Er will die Arbeit, das Kapital und die Moral noch enger zusammenbringen. Und das macht der redegewandte Priester nicht mit frömmelnden Predigten in der Kirche, sondern mit harten Fakten in der Akademie, bei Vorträgen, bei den vielen Treffen überall in der Welt der Arbeit und der des Geldes.

Dabei ist es kein Zufall, dass den Geistlichen gerade die soziale Frage umtreibt. „Die Frage nach dem Wert der Arbeit ist keine Luxusfrage, sondern eines der zentralen Themen der kirchlichen Verkündigung“, begründet er seinen Einsatz. Und Arbeit, sagt der 54-jährige, agile, sportlich wirkende Kirchenmann, sei für jeden Einzelnen viel mehr als nur der Broterwerb. Dennoch: „Arbeit kann auch Last sein.“ Schließlich steht schon in der Bibel: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Doch zur Arbeit gehöre eine zweite Dimension, dass Arbeit nämlich Teil der Persönlichkeit eines Menschen sei. „Sie erlaubt ihm, sich etwas leisten zu können, nicht nur ein Empfänger von Wohltaten zu sein. Arbeit und Würde, das gehört zusammen.“ Dementsprechend sei die Arbeitslosigkeit ein sozialer Notstand, der für den Betroffenen eine persönliche Katastrophe bedeuten könne. „Aber es kann auch eine Ermutigung sein, sich einzubringen.“ Das Recht auf Arbeit jedoch, das sei einer der Grundpfeiler der katholischen Soziallehre. Und den trägt Klasvogt in die Betriebe und ins Bewusstsein vieler Bosse.

»Es zahlt sich in jedem Fall aus, wenn ein Unternehmen in der Region verankert ist und sich bürgerschaftlich engagiert.« Peter Klasvogt

Und die Unternehmen nähmen das auch bereitwillig auf, erkennt der Akademie-Direktor lobend an. Sie hätten längst erkannt, dass Geld machen allein nicht mehr ausreiche. „Wenn Unternehmen nur für sich arbeiten, können sie auf lange Sicht nicht überleben“, davon ist der Priester überzeugt. „Die Diskussion über Heuschrecken im Zusammenhang mit der Finanzkrise hat vor allem eines gezeigt: Es geht nicht nur um Shareholder-Value, also nicht nur darum, Gewinn um jeden Preis zu machen.“ Wenn sich jemand nachhaltig am Markt behaupten wolle, müsse er sich vier Fragen stellen. Erstens: Wie gehe ich mit meinen Mitarbeitern um? Wie gehe ich mit meinen Lieferanten um, wie mit den Kunden und wie mit den Aktionären? All dies müsse in einer ausgewogenen Balance zueinander stehen.

Denn Kunden und Verbraucher hätten ihr Bewusstsein spürbar verändert, sie stellten heute andere Ansprüche an Unternehmen als früher. „Verbraucher haben Macht.“ Und die setzten sie auch ein, wenn es um die Beurteilung des Unternehmens gehe. „Das kann man deutlich beobachten etwa an dem Gütesiegel für Produkte, die ohne Kinderarbeit hergestellt werden oder bei dem für fairen Handel. Aber Verbraucher fragen heute auch danach, ob ein Unternehmen Energie schonend bei der Herstellung einsetzt oder ob es sie vergeudet vergeudet.“ Ob das Prinzip „Hire und Fire“ (einstellen und in der kleinsten Krise feuern) gegenüber den Mitarbeitern herrsche. „Die Unternehmen überleben, die dafür eine besondere Sensibilität entwickeln“, weiß der christliche Spezialist für die Arbeitswelt. Und er hält einen weiteren Punkt für wichtig bei der Frage nach einem guten Image eines Unternehmens: „Es zahlt sich in jedem Fall aus, wenn es in der Region verankert ist, sich bürgerschaftlich über Vereine oder das Sponsoring von Kunst oder Sport engagiert“, sagt er. Gemeinwohl werde für eine Firma oder ein Unternehmen zunehmend wichtiger.

Ethik und Geld – für den Manager Gottes gehört das seit eh und je zusammen. Das habe er schon als Leiter des Priesterseminars in Paderborn, wo er von 1993 bis 2005 war, den angehenden Priestern nahezubringen versucht, erzählt er. Denn Kirche sei nicht für sich selbst da, sie müsse den Dienst am Menschen wahrnehmen. „Wir sind ja Weltpriester, wir dürfen uns als Kirche nicht in die Sakristei zurückziehen“, habe er den jungen Männern mit auf den Weg gegeben. Zurückziehen, es scheint, als sei das für Klasvogt, dessen Arbeitstag selten vor 22 Uhr endet, ein Fremdwort. Doch der Mann mit einem prall gefüllten Arbeitskalender hält jeden Morgen einen Termin frei. Das ist die Zeit so zwischen acht und neun Uhr. Dann zieht er sich zurück, zum Beten und zur Messe. Und auch den Mittwoch hält er weitgehend frei – für den geistlichen Austausch mit seinen Mitbrüdern in der Fokolar-Bewegung, mit denen er in einer geistlichen Gemeinschaft lebt. Es ist eine Gemeinschaft, die auf der ganzen Welt soziale Initiativen unterstützt. Und da schließt sich der Kreis für den Theologen, Sozialarbeiter, Kollegen und den Manager im Dienste des Herrn.

WAZ Beilage Wirtschaft 2/2011

Direktor
Sozialinstitut
Kommende Dortmund
 
Direktor
Katholische Akademie
Schwerte
 
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