Kolumnen

Tatort Schule – und die Macht der Liebe

Diese Woche beginnt wieder Schule. Gott sein Dank!, werden manche Eltern sagen, die froh sind, wenn der Alltag wieder in normalen Bahnen verläuft und die Kinder sich demnächst im Sportunterricht austoben können. Die Schülerperspektive ist da möglicherweise ambivalent. Klar, man sieht die Freunde wieder, die man seit Wochen vermisst hat. Aber das heißt für viele auch, morgens früh aufstehen und spätnachmittags erst nach Hause kommen, Gedränge im Schulbus, Stress mit Lehrern, Stress auch mit Mitschülern. Die Schule: auch ein Tatort.

Denn Gewalt auf dem Schulhof, körperliche wie seelische, ist leider kein Einzelfall. Nach der jüngsten PISA-Studie (OECD) wird in Deutschland fast jeder sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) regelmäßig ein Opfer von Mobbing: herumgeschubst, geschlagen, ausgegrenzt, schikaniert, drangsaliert, diffamiert, nicht selten auch im Internet bloßgestellt. Wenn ein Kind nicht gern zur Schule geht, muss das nicht nur am Unterricht liegen. Darum ist es für Eltern wie Lehrer, aber auch Mitschüler so wichtig, schon erste Anzeichen seelischer Bedrängnis wahrzunehmen und ernst zu nehmen: Doch auch für Lehrer ist das Engagement für verwöhnte wie vernachlässigte Kinder (und deren Eltern), die Auseinandersetzung mit pubertierenden Jugendlichen alles andere als ein Zuckerschlecken.

Doch es geht auch anders. Ich denke an eine Schulprojektwoche, in der die Internationale Musikband GenRosso in workshops das Rock-Musical „Streetlight“ mit Hauptschülern eingeübt und gemeinsam mit ihnen auf die Bühne gebracht hat. Am Ende der Aufführung sang der ganze Saal begeistert die Botschaft des Antihelden, der seine mutige Entscheidung, die Spirale von Hass und Gewalt zu durchbrechen, mit dem Leben bezahlt hat: „It's the power of love deep inside of me.“ - „die Macht der Liebe tief in mir!“ Und die Antwort der Jugendlichen wie ein Refrain: „I'll be there“ – „Ich bin dabei!“.

Als Monate später, das neue Schuljahr hatte längst begonnen, eine Lehrerin auf dem Schulhof angerempelt wurde und ihrem Ärger im Unterricht Luft machte, stimmt ein Mädchen leise eben jenes Lied an: „die Macht der Liebe tief in mir“ ..., und es dauerte nur wenig, bis die ganze Klasse einstimmte und sehnsüchtig wieder und wieder ihre Antwort sangen: „Wir sind dabei!“. Die Botschaft hatte gezündet. Die Liebe ist stärker als Gewalt und Aggression. Es ist die Liebe, die die Welt verändert. Ich wünschte, das Lied würde auch im neuen Schuljahr vielstimmig erklingen.


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