Monatskolumne

Endlich Ferien

Endlich Ferien! Ein Stoßseufzer der Erleichterung, diesmal nicht aus dem Mund der Kinder und Jugendlichen, die schon längst in den Schulferien sind. Vielmehr meint man das hörbare Aufatmen einer gequälten Nation zu verspüren, die sich nach einem ereignisarmen „Sommerloch“ sehnt: ohne verbalen Schlagabtausch auf offener politischer Bühne, ohne persönliche Kränkungen und die Verunglimpfung Andersdenkender, ohne das präpotente Imponiergehabe selbstverliebter Potentaten auch auf der Weltbühne, die in ihrer Unberechenbarkeit selbst engste Verbündete vor den Kopf stoßen und eine ganze Weltordnung auf den Kopf stellen. Man möchte allen Akteuren, die immer weiter an der Erregungsspirale drehen, eine rekreative Urlaubspause gönnen, in der man wieder zu den Basics des Anstands, des Respekts und der Fairness im Umgang miteinander zurückfindet.

Aber was auf repräsentativer Ebene stattfindet, ist ja doch auch ein Spiegel der Gesellschaft. Jene Attitüde selbstgefälliger Überheblichkeit,

der ausgefahrene Ellbogen zur Durchsetzung eigener Interessen, die ätzende Kritik, die andere mundtot macht, gerade auch im Schutz der Anonymität des Internets ... – all das ist uns ja auch in unserer Alltagswelt nicht gänzlich fremd. Da ist es an der Zeit, Abstand zu gewinnen, ideologisch abzurüsten, wieder einen klaren Kopf zu bekommen für das, was wirklich wichtig ist im Leben. Auch dazu könnte die Sommerpause beitragen: das Leben wieder neu zu lernen.

 

Dazu ein guter Tipp aus alter Zeit: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ (Röm 12,2). So gesehen sind Ferien doch eine gute Gelegenheit, das eigene Denken, Reden und Tun auf den Prüfstand zu stellen – und als Chance, wieder achtsamer zu werden, neugieriger und unvoreingenommener, den Wandlungen des Lebens und den Herausforderungen der Zeit zugewandt. Ich bin überzeugt: das Leben würde danach anders weitergehen – in der großen Politik wie im gewöhnlichen Alltag.


Ruhr Nachrichten
23. Juli 2018

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