Monatskolumne

Von Sterntalern und Sternsingern

 

Waren die drei verkleideten Mädchen gestern auch bei Ihnen?“ Ich  wusste erst gar nicht, worauf die Nachbarin hinauswollte. „Na, die Sterntaler. Die haben so nett gesungen. Da habe ich ihnen natürlich auch was gegeben“.  – Es brauchte noch eine Zeit, bis bei mir endlich der „Groschen“ fiel. Die Dame meinte natürlich die Sternsinger, die an diesem Wochenende  wieder unterwegs waren.  Und ja, sie hatten ihre Spendenbox dabei und baten auch bei mir um einen „Taler“ (wobei ihnen „Scheine“ lieber waren). Es kam dann noch zu einem kurzen Nachbarschaftstalk, in dessen Verlauf ich meine treuherzige Nachbarin aufklären konnte, dass es sich bei den jungen Bittstellern nicht um eine originelle Adaption des Sterntaler-Märchens handelte, sondern um Kinder aus der Kirchengemeinde, die im Gewand der heiligen drei Könige unterwegs waren, voran mit einem selbstgebastelten Stern, mit dem sie symbolisch in die Häuser und Wohnungen leuchten. Eine durchaus ehrenwerte Aktion, mit der sie in diesem Jahr für behinderte Kinder in Peru sammeln.

 

Der Wortwechsel  ging mir noch länger nach. Erstaunlich, dass da jemand im Zeitalter von Harry Potter oder der Sendung mit der Maus noch das Grimmsche Märchen von den Sterntalern kennt.

Das erzählt von einem armen Mädchen, dass alles her geschenkt hat, zuallerletzt noch das sprichwörtlich letzte Hemd. „Und wie es so dastand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war von allerfeinstem Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag. Ein Wunder, wie es nur im Märchen vorkommt.

 

Doch eigentlich unterscheidet sich das arme Mädchen, dessen Freigiebigkeit selbst den Himmel rührt, gar nicht so sehr von jenen Sterndeutern in biblischer Zeit: Menschen, umgetrieben von der Frage, wohin das Licht des Himmels sie führen mag. Da fallen zwar keine Sterne vom Himmel, aber sie kommen letztlich dort an, wo der Himmel die Erde berührt. Und sie, die vor dem Kind in der Krippe ihre Schätze ausbreiten, sind die eigentlich Beschenkten: den gefunden zu haben, der ihrem Leben Perspektive und Orientierung gibt. Davon singen auch die Sternsinger, und manch einer, der dazu seinen „Taler“ gab, hat schon erfahren, dass etwas von dem Glanz des Sterns zurückgeblieben ist.

 

 

Ruhr Nachrichten
7. Januar 2019

 

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